Was ist Pflegeplanung?
Die Pflegeplanung ist das Herzstück professioneller Pflege. Sie dokumentiert den gesamten Pflegeprozess von der Informationssammlung über die Problemerkennung bis zur Evaluation. Als Azubi wirst du sie in jeder Praxisphase und definitiv in der Prüfung brauchen.
Die Pflegeplanung ist kein einmaliges Dokument, sondern ein dynamischer Prozess. Sie wird regelmäßig überprüft und angepasst – mindestens bei Veränderungen des Gesundheitszustands oder nach festgelegten Evaluationszeitpunkten.
Das PESR-Schema erklärt
Das PESR-Schema ist der Standard für die Formulierung von Pflegediagnosen. Es macht Pflegeprobleme nachvollziehbar und überprüfbar.
| Buchstabe | Bedeutung | Frage |
|---|---|---|
| P | Problem (Pflegediagnose) | Was ist das Problem? |
| E | Einflussfaktoren (Ätiologie) | Warum besteht das Problem? |
| S | Symptome (Kennzeichen) | Woran erkenne ich das Problem? |
| R | Ressourcen | Was kann der Patient selbst? |
Beispiel Pneumoniegefahr bei Herrn Schmidt
ATL vs. ABEDL: Die Strukturierungsmodelle
Um Pflegeprobleme systematisch zu erfassen, gibt es verschiedene Strukturierungsmodelle. Die beiden wichtigsten in Deutschland sind:
ATL nach Roper (12 Lebensaktivitäten)
| Nr. | Lebensaktivität | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Für sichere Umgebung sorgen | Sturzgefahr, Infektionsschutz |
| 2 | Kommunizieren | Sprache, Hören, Sehen |
| 3 | Atmen | Dyspnoe, Husten, Sekret |
| 4 | Essen und Trinken | Appetit, Schlucken, Nahrungsaufnahme |
| 5 | Ausscheiden | Inkontinenz, Obstipation |
| 6 | Sich sauber halten und kleiden | Körperpflege, Anziehen |
| 7 | Körpertemperatur regulieren | Fieber, Hypothermie |
| 8 | Sich bewegen | Mobilität, Kontrakturen |
| 9 | Arbeiten und Spielen | Beschäftigung, Langeweile |
| 10 | Sich als Mann/Frau fühlen | Sexualität, Identität |
| 11 | Schlafen | Ein-/Durchschlafstörungen |
| 12 | Sterben | Palliativversorgung |
ABEDL nach Krohwinkel (13 Bereiche)
Das ABEDL-Modell erweitert die ATL um psychosoziale und existenzielle Aspekte:
- Kommunizieren können
- Sich bewegen können
- Vitale Funktionen aufrechterhalten
- Sich pflegen können
- Essen und trinken können
- Ausscheiden können
- Sich kleiden können
- Ruhen und schlafen können
- Sich beschäftigen können
- Sich als Mann/Frau fühlen
- Für sichere Umgebung sorgen
- Soziale Bereiche des Lebens sichern (erweitert)
- Mit existenziellen Erfahrungen umgehen (erweitert)
Die Strukturierte Informationssammlung (SIS)
Die SIS ist ein standardisiertes Instrument zur Erfassung des individuellen Pflegebedarfs, das seit 2015 bundesweit eingeführt wurde. Sie ist Teil des "Strukturmodells" zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation.
Die 6 Themenfelder der SIS
1️⃣ Kognition & Kommunikation
Orientierung, Gedächtnis, Verstehen, Mitteilen von Bedürfnissen
2️⃣ Mobilität & Beweglichkeit
Fortbewegung, Positionswechsel, Sturzrisiko
3️⃣ Krankheitsbezogene Anforderungen
Medikamente, Wundversorgung, Therapien, Arztbesuche
4️⃣ Selbstversorgung
Körperpflege, Ernährung, Ausscheidung, An-/Auskleiden
5️⃣ Leben in sozialen Beziehungen
Tagesgestaltung, soziale Kontakte, Teilhabe
6️⃣ Haushaltsführung
Einkaufen, Kochen, Wäsche, Reinigung (nur ambulant relevant)
SIS vs. klassische Pflegeplanung
| Aspekt | Klassische Pflegeplanung | SIS / Strukturmodell |
|---|---|---|
| Fokus | Defizite und Probleme | Perspektive des Pflegebedürftigen |
| Dokumentation | Ausführlich, viele Formulare | Kompakter, "Entbürokratisierung" |
| Evaluation | Separater Prozess | Im Berichteblatt integriert |
| Einsatz | Krankenhaus, Ausbildung | V.a. ambulant & stationäre Langzeitpflege |
Pflegeziele richtig formulieren
Pflegeziele müssen SMART sein – sonst sind sie nicht überprüfbar:
| SMART | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Spezifisch | Konkret und eindeutig | ❌ "Besser gehen" → ✅ "Mit Rollator gehen" |
| Messbar | Überprüfbar | ❌ "Mehr trinken" → ✅ "1500ml/Tag trinken" |
| Akzeptiert | Vom Patienten mitgetragen | Ziel mit Patienten besprochen |
| Realistisch | Erreichbar | An Ressourcen angepasst |
| Terminiert | Mit Zeitvorgabe | ❌ "Bald" → ✅ "Bis 20.01.2026" |
Beispiel SMART-Ziel bei Mobilitätseinschränkung
Nah- und Fernziele unterscheiden
- Nahziele: Kurzfristig erreichbar (Tage bis 1-2 Wochen)
- Fernziele: Langfristig erreichbar (Wochen bis Entlassung)
Beispiel: Nahziel: "Hr. K. trinkt heute 1200ml" → Fernziel: "Hr. K. trinkt bei Entlassung selbstständig mind. 1500ml/Tag"
Pflegemaßnahmen planen
Pflegemaßnahmen beantworten die Frage: WER macht WAS, WANN, WIE OFT und WIE?
✅ Checkliste: Gute Pflegemaßnahmen
Beispiel Maßnahmen bei Dekubitusgefahr
Evaluation: Ziele überprüfen
Die Evaluation schließt den Pflegeprozess ab – und startet ihn gleichzeitig neu. Du prüfst, ob die Ziele erreicht wurden.
| Ergebnis | Konsequenz |
|---|---|
| Ziel erreicht | Maßnahme beenden oder neues Ziel setzen |
| Ziel teilweise erreicht | Maßnahmen anpassen, Zeitraum verlängern |
| Ziel nicht erreicht | Ursachenanalyse: War das Ziel realistisch? Stimmen die Maßnahmen? |
Pflegeplanung in der Praxis
Schritt für Schritt zur fertigen Pflegeplanung
- Informationen sammeln: Pflegeanamnese, Patientengespräch, Beobachtung, Vorbefunde
- Probleme identifizieren: Nach ATL/ABEDL strukturieren, PESR anwenden
- Prioritäten setzen: Lebensbedrohliches zuerst, dann nach Dringlichkeit
- Ziele formulieren: SMART für jedes Problem
- Maßnahmen planen: Konkret, mit Zeitangaben und Verantwortlichen
- Durchführen und dokumentieren: Abweichungen notieren
- Evaluieren: Regelmäßig und bei Veränderungen