Expertenstandards: Alle DNQP-Standards im Überblick

Was sind Expertenstandards?

Expertenstandards sind wissenschaftlich fundierte Qualitätsinstrumente für die Pflege. Sie werden vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt und beschreiben den aktuellen Wissensstand zu wichtigen Pflegethemen.

💡 Warum sind sie wichtig? Expertenstandards sind der Maßstab für professionelle Pflege. Sie helfen dir, evidenzbasiert zu arbeiten und rechtlich abgesichert zu handeln. In der Prüfung wird oft nach den Standards gefragt!

Die aktuellen Expertenstandards

🛏️ Dekubitusprophylaxe

Vermeidung von Druckgeschwüren

⚠️ Sturzprophylaxe

Vermeidung von Stürzen

😖 Schmerzmanagement

Akuter & chronischer Schmerz

🍽️ Ernährungsmanagement

Sicherung der Ernährung

🚿 Kontinenzförderung

Erhalt der Kontinenz

🩹 Wundversorgung

Chronische Wunden

🏥 Entlassungsmanagement

Sichere Überleitung

🤝 Beziehungsgestaltung

Bei Menschen mit Demenz

Dekubitusprophylaxe

🛏️ Expertenstandard Dekubitusprophylaxe

Ziel: Jeder dekubitusgefährdete Patient erhält eine Prophylaxe, die die Entstehung eines Dekubitus verhindert.

Risikofaktoren: Immobilität, Inkontinenz, Mangel-/Fehlernährung, Durchblutungsstörungen, Bewusstseinsstörungen, Scherkräfte

Assessment: Braden-Skala (18-23 Punkte = niedrig, 13-17 = mittel, ≤12 = hoch)

Kernmaßnahmen

  • Risikoeinschätzung bei Aufnahme & regelmäßig
  • Druckentlastung durch Lagerung (Mikro-/Makrolagerung)
  • Bewegungsförderung & Mobilisation
  • Hautinspektion bei jeder Lagerung
  • Hilfsmittel: Wechseldruckmatratzen, Lagerungskissen
  • Ernährung & Flüssigkeit optimieren

Sturzprophylaxe

⚠️ Expertenstandard Sturzprophylaxe

Ziel: Jeder sturzgefährdete Patient erhält eine Intervention, die Stürze verhindert oder Sturzfolgen minimiert.

Risikofaktoren: Alter >65, Sturzanamnese, Medikamente (Sedativa, Antihypertensiva), Sehstörungen, Gangstörungen, kognitive Einschränkungen

Assessment: Sturzrisiko-Assessment, Timed Up & Go Test, Sturzprotokoll

Kernmaßnahmen

  • Sturzrisiko bei Aufnahme einschätzen
  • Umgebung sicher gestalten (Beleuchtung, Stolperfallen)
  • Hilfsmittel bereitstellen (Rollator, Haltegriffe)
  • Festes Schuhwerk, Brille griffbereit
  • Medikamentenüberprüfung (mit Arzt)
  • Bewegungs- und Krafttraining
  • Nach Sturz: Sturzprotokoll, Ursachenanalyse

Schmerzmanagement

😖 Expertenstandard Schmerzmanagement

Ziel: Jeder Patient mit Schmerzen erhält ein Schmerzmanagement, das zur Schmerzlinderung oder einem erträglichen Maß an Schmerzen beiträgt.

Es gibt zwei Standards: Akuter Schmerz (z.B. postoperativ) und Chronischer Schmerz (z.B. Tumorschmerz)

Assessment: NRS (0-10), VAS, Beobachtung bei Kommunikationsunfähigkeit (BESD-Skala)

Kernmaßnahmen

  • Systematische Schmerzerfassung (Lokalisation, Intensität, Qualität)
  • Dokumentation im Schmerzprotokoll
  • Medikamentöse Therapie nach WHO-Stufenschema
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen (Lagerung, Wärme/Kälte)
  • Regelmäßige Evaluation der Wirksamkeit
  • Patient in Entscheidungen einbeziehen
✅ Prüfungstipp Das WHO-Stufenschema kommt oft in Prüfungen vor: Stufe 1 = Nicht-Opioide (Paracetamol, NSAR), Stufe 2 = Schwache Opioide (Tramadol), Stufe 3 = Starke Opioide (Morphin)

Ernährungsmanagement

🍽️ Expertenstandard Ernährungsmanagement

Ziel: Bei jedem Patienten mit Risiko für Mangelernährung ist die orale Nahrungsaufnahme sichergestellt.

Risikofaktoren: Appetitlosigkeit, Kau-/Schluckstörungen, Übelkeit, Depression, Demenz, Tumorerkrankungen

Assessment: BMI, Gewichtsverlauf, MNA (Mini Nutritional Assessment), Ernährungsprotokoll

Kernmaßnahmen

  • Screening auf Mangelernährung bei Aufnahme
  • Ess- und Trinkprotokoll führen
  • Angenehme Essumgebung schaffen
  • Kostform anpassen (püriert, hochkalorisch)
  • Unterstützung beim Essen nach Bedarf
  • Ggf. Trinknahrung (Supplements)

Kontinenzförderung

🚿 Expertenstandard Kontinenzförderung

Ziel: Erhalt oder Wiedererlangung der Kontinenz bzw. kompetenter Umgang mit Inkontinenz.

Formen: Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Mischinkontinenz, Überlaufinkontinenz

Kernmaßnahmen

  • Kontinenzprofil erstellen
  • Toilettentraining (feste Zeiten)
  • Beckenbodentraining
  • Ausreichend Trinken (nicht reduzieren!)
  • Geeignete Hilfsmittel wählen
  • Würde und Intimsphäre wahren

Weitere Expertenstandards

🩹 Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

🏥 Entlassungsmanagement

🤝 Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz

Häufige Fragen

Sind Expertenstandards verpflichtend?
Ja, quasi! Seit dem Pflege-Qualitätssicherungsgesetz (2024) sind sie für stationäre Einrichtungen verbindlich. Sie gelten als "Stand der Wissenschaft" und haben auch haftungsrechtliche Bedeutung.
Muss ich alle Standards auswendig können?
Nein, aber du solltest die wichtigsten Ziele, Assessments und Kernmaßnahmen kennen. Besonders Dekubitus, Sturz und Schmerz kommen häufig in Prüfungen vor.
Was ist der Unterschied zwischen Expertenstandard und Pflegestandard?
Expertenstandards = Nationale, wissenschaftlich fundierte Rahmenwerke vom DNQP. Pflegestandards = Einrichtungsinterne Handlungsanweisungen, die auf den Expertenstandards basieren.
Wie oft werden Expertenstandards aktualisiert?
Die Standards werden regelmäßig aktualisiert, meist alle 5-7 Jahre. Prüfe, ob deine Lernunterlagen den aktuellen Stand wiedergeben!